Monatsarchiv für Februar 2007

Ideen für die Diplomarbeit

Die Grundrichtung steht schon fest: Die drei grossen Themenfelder, die mich momentan am meisten interessieren und die ich als geeignet für eine Diplomarbeit halte, sind Social Software, Datenvisualisierung und E-Learning/Wissensmanagement.

Schwierig nur, von hier aus weiterzugehen und ein eingegrenztes, in dem vorgegebenen Zeitraum von drei Monaten realisierbares Thema herauszudestillieren. Irgendwie bin ich da momentan ein bisschen blockiert und mir fehlt die klare Sicht auf das, was machbar ist und was ich im Endeffekt tun sollte. Der Blog hilft mir, meine Gedanken zu bündeln und zu strukturieren. Hier deshalb nun eine Auflistung von drei Ideen, die mir, teils in Gesprächen, teils auch durch Recherchen, klar geworden sind — mit der Bitte um Kommentare und Anregungen. Vielleicht fällt euch ja spontan was dazu ein, auch wenn es ein lapidares “Idee X ist Schwachsinn” ist.

Idee 1: Visualisierung von Trends, ähnlich wie “swarm” auf labs.digg.com

Hier natürlich die Datenquelle von entscheidender Bedeutung. Digg hat ja seine eigenen Daten, bei der Blogosphäre wird es schon schwieriger. Technorati bietet aber eine API, mit der man Daten bekommen und interpretieren kann. Hier gibt es dazu ein schönes Beispiel, allerdings mit “privaten” Daten. Weitere Möglichkeit wäre der Einsatz eines Bots oder einer Spider, die Verbindungen zwischen Blogs über Kommentare und Trackbacks sammelt.

Entscheidend ist auch die Zielgruppe und damit verbunden die Frage, ob es ein Tool für “jedermann” oder für Spezialisten und Analysten werden soll. Danach richtet sich auch die Komplexität der Applikation. Ein Feedback war, dass Analysten im operativen Geschäft sehr auf “Zahlenkolonnen” und auf Quantität fixiert sind, also recht konservativ mit dem Thema umgehen. Beim strategischen Management sieht es mit dem Informationsbedarf schon anders aus; hier ist Qualität und das Erkennen von Zusammenhängen gefragt.

Visualisiert werden könnten im Falle von Blogs Relationen zwischen Blogs und Blogusern, Posts und Kommentaren, wie gut ein Blog verlinkt ist, und, wenn sie auf irgendeine Weise semantisch codiert sind, die Häufigkeit und Relevanz von Tags auf einzelnen Blogs — was wiederum Aufschluss über hot topics gibt. Trends lassen sich über die Einbeziehung der zeitlichen Komponente erahnen. Man merkt schon jetzt: Je semantischer das Web wird, desto mehr Möglichkeiten der Datenauswertung und -visualisierung wird es geben.

Idee 2: gezielte Visualisierung von Teilaspekten

Eine Suchanfrage an das zu entwerfende System könnte so aussehen: “Zeige mir, welche Leute von dem einen Unternehmen X Leute aus dem anderen Unternehmen Y kennen”. Oder: “Stelle mit in Vorbereitung auf ein Meeting das Netzwerk von bestimmten Personen dar”.
Hintergrund: In vielen Social Networks gibt es einige wenige “Superknoten”, also Leute, die extrem vernetzt sind, und andererseitd viele Personen mit nur wenigen Kontakten. Das macht die Visualisierung und damit auch die Interpretation schwierig, da die “Superknoten” die Darstellung zerstören. Viele gängige Visualisierungsbeispiele sind deshalb von den Daten her auf Schönheit getrimmt und weiger auf das Abbild der realen gegebenheiten in einem SNS (Social Networking System).

Wenn neben der semantischen Abfrage weitere Informationen hinzukommen, z.B. über die Skills der Mitarbeiter und deren Qualifikationen, wird so im Verbund mit Wissensmanagement in Unternehmen “tacit knowledge” — das stille Wissen — sichtbar und managbar.

Idee 3: Patterns in Social Software

Die Frage, die hierbei zugrunde liegt, ist: Was sind die Meta-Elemente von Social Software? Gibt es Dinge, die sich wiederholen? Was kann man aus den Fehlern und Erfolgen von SNS lernen, und gibt es, wie beim Softwareentwurf, der Architektur oder der Usability Muster, die universell für die Erschaffung von Communities und SNS anwendbar sind?

Man sieht an der Natur dieser Ideen, dass es bei mir eher in die theoretische/wiisenschaftliche Ecke geht. Für mich wäre es durchaus auch reizvoll, ein SNS in der Nische, beispielsweise für karitative Verbände, zu konzipieren und auch prototypisch zu realisieren. Ich denke nur, dass es — gerade als MSDler — lohnenswert ist, auch mal bestimmte wissenschaftliche Fragestellungen zu behandeln.

Geschafft

Habe gestern die mündliche Prüfung mit einer ziemlich guten Note bestanden (1,3). Damit ist unser Projekt P4 und eigentlich auch das Studium — bis auf das Diplom — abgeschlossen. Kaum zu glauben. Die fast vier Jahre sind wie im Flug vergangen. Ein Wahlpflichtkurs steht noch aus, aber das ist jetzt relativ easy going, da der Druck erstmal weg ist. Das schöne Wetter heute passt also ideal zu meiner seelischen Verfassung: Nach einem ziemlich fordernden und langwierigen “Endspurt” über einen ganzen Monat jetzt erst mal ein wenig Entspannung.

Zu tun gibt es genug — noch ‘ne Doku schreiben, den besagten Kurs zuende bringen mit einem Game als Abschlussarbeit, sich wieder verstärkt um private Dinge, Gemeinde und den Haushalt kümmern und — relativ weit oben auf der Liste — das Diplom. Weiss immer noch nicht genau, was ich machen soll. Werde dazu wohl am Wochendende was schreiben.

MSD-Sternstunde

Gestern gab es bei uns im Studiengang die Abschlusspräsentationen unseres Jahresprojekts P3/P4. Thema war es, ein Mediensystem für die Zielgruppe 50 Plus — also Menschen, die älter als 50 Jahre sind — zu entwerfen und prototypisch zu realisieren. Wie man sich vorstellen kann, war die Aufgabe alles andere als leicht; fast jede Projektgruppe, mit der ich gesprochen habe, hatte schon bei der Ideenfindung erhebliche Probleme. Und was hat es überhaupt mit der Zielgruppe auf sich? Wie sich gezeigt hat, ist sie sehr heterogen — von häuslichen Rentnern über ewig Junggebliebene bis hin zu vitalen Intelektuellen ist so ziemlich alles vertreten, was man sich vorstellen kann.

Umso erstaunlicher war das, was dabei rauskam. Zwei Semester sind eine lange Zeit, aber sicherlich nicht lange genug, um ein Projekt so abzuschliessen, wie man das gerne hätte. In den letzten zwei Monaten der Realisierung ist aber soviel passiert, dass man bei einigen Projekten erst jetzt die ganze Tragweite und Brillanz der Ideen erkennt.

Fast alle Projekte waren gut und haben praktikable, multimediale Lösungen für den ein oder anderen Bedarf der Zielgruppe 50plus aufgezeigt. Drei Projekte sind jedoch besonders erwähnenswert:

  • Ein Video-Kommunikationssystem für eine Hausgemeinschaft namens “mando”. Ältere Leute haben die Möglichkeit, real-time zu chatten oder Videonachrichten zu senden. Man kann sich das Szenario vorstellen, wenn eine ältere Dame die Dose nicht aufbekommt und nun per Videonachricht um Hilfe bittet. Die Präsentation war deswegen so beeindruckend, weil das System schon überraschend weit realisiert war und die Gruppe nicht davor zurückscheute, das System live, komplett mit Spanplattenwänden und Touchscreen-Systemen, im Präsentationssaal aufzubauen. Was folgte, war aber nicht nur eine “Materialschlacht”, sondern eine faszinierende Machbarkeitsstudie des Konzepts. Das Screendesign war ebenfalls sehr ansprechend und gut auf die Bedienung per Touchscreen abgestimmt.
  • Ein Therapiespielzeug (ein Papagei) mit dem Namen “Coco”. Ich muss zugeben, dass ich am Anfang diesem Projekt eher skeptisch gegenüberstand, aber was dann schlussendlich präsentiert worden ist, hat meine Erwartungen übertroffen. Es geht darum, gebrechlichen, Kranken alten Menschen in Therapie (hauptsächlich Demenzkranke und Pflegebedürftige) einen Roboter zur Seite zu stellen, der sie unterhält und für sie da ist, wenn ein Betreuer gerade nicht zur Stelle sein kann. Coco wurde ebenfalls schon sehr weit realisiert, die Spracherkennung hat in der Präsentation sehr gut und zuverlässig funktioniert. Die Sprachsteuerung erkennt Substantive wie “Termine” und “Spielen” und reagiert darauf. Was Coco eine Tierpersönlichkeit verleiht, ist sein unberechenbares Verhalten — so fängt er auf einmal an zu singen oder plappert vor sich ihn. Die Stärke dieses Konzeptes wurde auf bewegende Weise durch einen Film am Ende der Präsentation untermauert, in dem auf den Pflegebedarf in Heimen und Therapiezentren hingewiesen wurde.
  • Schliesslich möchte ich auch unser Projekt “via” — ein soziales Netzwerk für die Generation 50plus — erwähnen. Es hat zum Ziel, Personen mit ihren individuellen Fähigkeiten, Erfahrungen und Fertigkeiten zu vernetzen; kurz, den Erfahrungsschatz der Generation 50plus zu heben. Auf diesem Blog werde ich in nächster Zeit dazu noch etwas schreiben; wer jetzt schon Informationen will, kann sich gerne an mich wenden oder einen Kommentar schreiben.

Insgesamt war es also eine wahre Sternstunde für MSD — und eine eindrucksvolle Bestätigung dafür, warum es überhaupt sinnvoll ist, Mediensysteme zu erschaffen.

Nachtschichten

Der einzige Weg, mich momentan noch über Wasser zu halten, ist mit Pocket Coffee. Untrügerisches Zeichen, dass es Zeit ist, wenigstens heute mal auszuspannen — obwohl wir noch mitten im Realisierungsstress unseres Projektes sind. Merke, dass die Nachtschichten in letzter Zeit alles andere als gut für mich waren. Wenn ich jetzt nicht kürzer trete und mal halblang mache, werde ich ausbrennen.

Eben habe ich das letzte Kapitel von Yanceys Buch “What’s so Amazing About Grace” angefangen, und es ist echt Balsam für meine Seele. Es ist eins von diesen total horizonterweiternden Büchern, deren Grundaussage mit dem übereinstimmt, was man vorher schon irgendwie erahnt hat oder worauf man im Herzen schon vorbereitet worden ist. Vielleicht schreibe ich im Zusammenhang mit Berufung und Vision nochmal näher darüber. Erst muss ich mich mal ein bisschen entspannen….